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Trauerort Düsseldorf

22. November 2011 Kommentare ausgeschaltet



Trauerort Düsseldorf, Berger Straße 18b in der Altstadt. Entwurf und Gestaltung: Anne Mommrertz 2010/2011

Die Initiative des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge, einen Platz und eine Form zu suchen für einen Ort, an dem  Flüchtlinge aus sehr verschiedenen Kulturen trauern können, ist ungewöhnlich und sehr mutig – eine ganz neue Idee ohne Vorbilder. – Eine schwierige und schöne Herausforderung an die künstlerische Gestaltung. Es ist mir eine  große Ehre, dass ich diesem Ort Form geben durfte.

Meine künstlerische Arbeit dreht sich schon seit vielen Jahren um Orte und um das Thema „Zuhause“. Ich arbeite im ganz konkreten Stadtraum in Zusammenarbeit mit vielen dort lebenden Menschen. Die extrem schnellen Veränderungen der Lebensumwelt durch die technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen führen dazu, dass ein großer Teil der Menschen hier sich entwurzelt oder nicht wirklich zuhause fühlt. Die Kultur, die den Lebensalltag einrahmt und sozial bindet, wächst  langsam hinter den Entwicklungen und Veränderungen her. Die kulturellen Bedürfnisse der Menschen werden von kommerziellen Zielen an den Rand gedrängt. Ich beschäftige mich damit, kulturelle Bedürfnisse unseres Zusammenlebens zu erfassen und neue Formen zu finden.

Hier ist ein kulturelles Bedürfnis formuliert worden. Nicht nur traumatisierte Flüchtlinge brauchen den Trauerort, um sich Ihren verstorbenen Familienmitgliedern und Freunden nahe zu fühlen. Sehr viele Menschen suchen nach einem Ort der Trauer und Besinnung. Seit ich an der Umsetzung des Entwurfes arbeite, haben mir das viele Menschen bestätigt. Ich hoffe, dass der Trauerort in diesem Sinne angenommen wird und so ein kleines Stückchen Kultur wachsen kann.

Die Idee meiner Formgebung ist mir bei der Betrachtung der speziellen Gegebenheiten des Ortes neben der Berger Kirche gekommen: zwei Wege führen an beiden Seiten der Bergerkirche vorbei in eine Ecke. Sie winden sich nun dort in einer Spirale bis zu einem Mittelpunkt, dem zentrum und Konzentrationspunkt des Trauerortes. Diesen Nullpunkt  kann man, ähnlich wie den Tod als nicht wirklich fassbaren End- oder Anfangspunkt deuten. Er ist von allen Seiten gleich, ohne Ausdehnung. Er gibt keine Richtung. Die hohen Mauern und die Kirche geraten durch diese Konzentration auf einen Mittelpunkt in den Hintergrund. Die Form der Spirale wird, soweit ich es recherchieren konnte, in den heutigen Religion / Kulturen höchstens am Rande verwendet. In vielen Naturreligionen hat sie einmal eine Rolle in Bezug auf Fruchtbarkeit, Leben und Tot gespielt.

Die Kieselpflasterung aus großen Rheinkieseln ist in Düsseldorf fast vergessen, an der Berger Kirche war sie vorhanden und ist in die neue Form der Wege eingebracht. Die Einfassung der Wege und die Steinbänke sind aus Belgischem Blaustein, der ebenfalls früher als Einfassung für Fenster und Portale viel genutzt wurde. Die eigentliche Architektur und Abschirmung des Trauerortes vom Trubel der Altstadt  bildet der hoch wachsende Bambus, dessen exotisches Aussehen sofort ins Auge fällt. Die Materialien sind bewusst eine Mischung aus Tradition und Fremdem.

Die Pflege der Pflanzen und Beete wird von Klienten des PSZ und dem Freundeskreis Trauerort geleistet. Ich danke sehr herzlich für diese wichtige Arbeit!

Anne Mommertz

Das Medienprojekt Wuppertal hat einen Film „Trauern in der Fremde“ gemacht, der die Entstehung des Trauerortesdokumentiert. Der Film ist als DVD erhältlich. www.medienprojekt-wuppertal.de  Mehr Information zum Trauerort unter www.trauerort-duesseldorf.de

20.11.2011 Eröffnung  Trauerort Düsseldorf

 

 

 

Gewinn des Wettbewerbs: Künstlerische Gestaltung eines multikulturellen Trauerortes für das PSZ in Düsseldorf

11. Juni 2010 Kommentare ausgeschaltet

Es ist mir eine große Ehre, für die Klienten des PSZ, des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge Düsseldorf, einen Trauerort gestalten zu dürfen. Auf dem Hof der Berger Kirche, einer kleinen Kirche in der Altstadt Düsseldorfs wird ein Ort entstehen, der traumatisierten und psychisch belasteten Flüchtlingen und Vertriebenen aus Krisenregionen der Welt hier die Möglichkeit der Trauer um ihre Angehörigen geben soll. Es wird aber auch ein öffentlicher Trauerort für alle, die ihn suchen.

Das Bedürfnis des Menschen, seinen Gefühlen und inneren Bewegungen eine äußere, sinnliche Form, einen Ort zu geben, ist für mich zentrales Thema. Kultur besteht aus gemeinsam getragenen Formen für die inneren Bedürfnisse in der Gesellschaft. In unserer sich schnell wandelnden Welt ist es nötig, die Bedürfnisse immer wieder neu zu formulieren und sensibel Formen zu suchen, die getragen werden können. Oft werden kulturelle Bedürfnisse heute von kommerziellen Zielen an den Rand gedrängt, verdrängt. Daher ist die Initiative des PSZ sicher ein zukunftweisendes Beispiel für die klare Formulierung eines heutigen Bedürfnisses unserer Gesellschaft an ihre Künstler. Dieser Trauerort wird der erste seiner Art in Deutschland sein.

Die Aufgabenstellung ist sehr komplex auf Grund der vielen kulturellen Unterschiede der Nutzer, der Trigger traumatisierter Menschen, die nicht berührt werden dürfen und der Gegebenheiten des Ortes selbst. Ich kann außerdem nicht behaupten, mich in die Bedürfnisse der Klienten des PSZ einfühlen zu können. Die Vorarbeit einer Gruppe aus dem PSZ mit Tilmann Krämer war mir bei meinem Entwurf eine große Hilfe.  Ob dieser Trauerort ein Teil unserer Kultur werden kann, werden die Besucher entscheiden. Mehr Informationen unter www.trauerort-duesseldorf.de/.

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